diepresse.com - RE/MAX Immospiegel, Wohnungsmarkt 2016

Beitrag vom 24.03.2017

Gebrauchte Objekte stark gesucht
Die Quadratmeterpreise scheinen sich auf hohem Niveau zu stabilisieren. Einige Experten raten, die Gunst
der Stunde zu nutzen und sich von nicht benötigten Immobilien zu trennen. Andere sind skeptischer.

Wer sich in Wien in den vergangenen Jahren eine Wohnung gekauft hat, darf sich entspannt zurücklehnen: Für eine
typische Eigentumswohnung müsste er oder sie heute rund 40 Prozent mehr auf den Tisch legen als noch vor fünf Jahren.
Der Quadratmeterpreis betrug 2016 durchschnittlich 3442 Euro, wobei die typischerweise verkaufte Wohnung knapp 66
Quadratmeter groß war. Das geht aus dem aktuellen Eigentumswohnungsmarktbericht des Maklernetzwerks Remax hervor,
der auf Basis der tatsächlichen Verbücherungen auf den Grundbuchgerichten erstellt wurde.

Markt überteuert
Der Bericht zeigt aber auch, dass die Zeit der großen Preissprünge wohl vorerst der Vergangenheit angehört. Gerade einmal
um 1,7 Prozent mehr kostete der Quadratmeter 2016 im Vergleich zum Vorjahr, und auch der Vergleich mit 2014 weist eine
unwesentliche Steigerung von lediglich 2,3 Prozent aus. Mehr noch: Auf der unteren Preisskala, bei Wohnungen im
Segment bis 120.000 Euro – immerhin rund ein Viertel aller verkauften Wiener Wohnungen –, verzeichneten die Experten
im Jahresvergleich sogar einen Rückgang um 2,5 Prozent auf 2531 Euro pro Quadratmeter. „Zumindest für einen Teil der
Bevölkerung ist Wohnungseigentum – trotz eines historischen Zinstiefs – nicht mehr finanzierbar“, begründet Anton
Nenning, Managing Director von Remax Austria, das Ende der Goldgräberstimmung auf dem Wiener Wohnungsmarkt.

Ganz ähnlich sehen das die Experten von Raiffeisen Immobilien. „Vor allem in den Ballungsgebieten gibt es nicht mehr viele
Immobilien, die sich eine durchschnittliche Familie noch leisten kann. Der Markt wird als überteuert wahrgenommen“, sagt
Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien NÖ, Wien und Burgenland, und erkennt darin eine
Polarisierung: „Im oberen Preissegment gibt es einen Angebotsüberhang, im unteren einen Nachfrageüberhang.“ Daraus
ergäben sich vor allem für Verkäufer von gebrauchten Objekten jetzt noch gute Chancen, einen attraktiven Preis zu erzielen,
meint Weinberger, der – abgesehen von einzelnen Hotspots – für heuer mit einer „sanften Landung“ bei den
Immobilienpreisen rechnet. „Die leistbare Immobilie ist die gebrauchte, und der Markt dürstet gerade danach“, meint er.
Wohl nicht ganz zufällig hat die Raiffeisen Immobilien-Vermittlung (RIV) daher vor Kurzem eine Initiative gestartet, bei der
Hinweise auf Objekte, die zum Abschluss eines Alleinvermittlungsauftrags führen, mit 100 Euro Tippgeld belohnt werden.
„Manche Immobilien werden von ihren Besitzern – wohl auch in der Hoffnung auf weiter steigende Preise – einfach leer
stehen gelassen. Das ist absurd und kostet unterm Strich nur Geld“, erläutert Weinberger.

Individuelle Prüfung
Von einem grundsätzlich günstigen Verkaufszeitpunkt für Immobilien, die nicht selbst benötigt werden, spricht auch
Richard Buxbaum, Leiter Wohnimmobilienvermarktung und Zinshäuser, bei Otto Immobilien. „Allerdings sollte jeder
Einzelfall individuell geprüft werden“, schränkt er ein. Faktoren wie Kaufpreis, Zustand oder Lage eines Objekts müssten
genau analysiert werden. „Auch die konkreten Pläne und Ziele des potenziellen Käufers spielen eine Rolle, etwa die Frage,
was mit dem Kapital, das hereinkommt, dann gemacht werden soll.“ Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin von EHLImmobilien,
hingegen bezweifelt, dass sich derzeit viele Besitzer motivieren lassen, sich von ihren Objekten zu trennen: „Da
sich Immobilien in den vergangenen Jahren als attraktive Investition erwiesen haben und ein Absinken der Preise auf
absehbare Zeit sehr unwahrscheinlich ist, denken derzeit nur wenige Eigentümer an einen Verkauf“, berichtet sie aus der
Praxis. „Die Immobilien wurden außerdem meist weniger wegen der hohen Rendite als vielmehr zur Wertschaffung
beziehungsweise -erhaltung angeschafft.“ Eine Diagnose, die der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI)
teilt: „Die Akquise auf dem Sekundärmarkt ist schwieriger geworden, denn verkauft wird derzeit nur, wenn es notwendig
ist“, schreibt er in seinem Marktausblick für 2017.
 

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