diepresse.com - RE/MAX Immospiegel 1. Halbjahr 2017, Wohnungsmarkt

Beitrag vom 30.08.2017

Wohnen wird auch am Land teurer

Die Preise für Eigentumswohnungen legten im ersten Halbjahr um fünf Prozent zu. Vor allem kleine Wohnungen in günstigeren Lagen werden sehr stark nachgefragt.

Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen und ziehen weiter kräftig an, wobei das untere Preissegment deutlich stärker zulegte. Im ersten Halbjahr 2017 wurden um acht Prozent mehr Wohnungen verkauft als noch im Vorjahreszeitraum, der Verkaufswert überschritt dabei erstmals die Fünf-Milliarden-Euro-Marke, so der Maklerverbund Re/Max.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden im Schnitt 3045 Euro für den Quadratmeter gezahlt. Wobei ein Viertel aller Wohnungen österreichweit weniger als 113.975 Euro kostete, ein weiteres Viertel mehr als 257.500 Euro. Die größte Nachfrage gab es in Wien, gefolgt von der Steiermark und Tirol.

Den größten Preiszuwachs verzeichneten allerdings das Burgenland und Kärnten mit 50 Prozent. „Der Wohnungsmarkt in Österreich boomt unverändert. Zum vierten Mal in Folge steigende Verkaufszahlen, und zum dritten Mal in Folge verzeichnen wir einen absoluten Rekord", betonte Re/Max-Chef Bernhard Reikersdorfer am Mittwoch.

Dies bekamen vor allem jene zu spüren, die vermeintlich günstige Wohnungen suchten. „Der Wertanstieg im Jahresvergleich liegt im unteren Preissegment bei 9,5 Prozent und im Fünfjahresvergleich bei exakt 50 Prozent. Dagegen sind im oberen Preisviertel die Entwicklungen viel moderater", berichtet Reikersdorfer. In dieser Preisklasse habe der Anstieg über fünf Jahre 33,4 Prozent betragen.

Der Immobilienexperte führt dies auf die wesentlich stärkere Nachfrage nach dem unteren Preissegment zurück. „Die Grenze zum. untersten Viertel aller Quadratmeterpreise übersprang erstmals klar die 2000-Euro-Marke und liegt heuer bei 2.183 Euro. Die Grenze zum oberen Preisviertel liegt dagegen bei 3887 Euro", sagte Reikersdorfer.

Kleinere Wohnungen in günstigeren Lagen werden stärker nachgefragt, weil es and) mehr Kleinanleger gebe, die erstmals eine Eigentumswohnung kaufen, begründet Reikersdorfer die Entwicklung im Gespräch mit der „Presse". Noch immer sei die Flucht ins Betongold spürbar. In einer Zeit extrem niedriger Sparzinsen sei die Immobilie als Anlageform begehrt. Gleichzeitig sind viele junge Menschen auf Wohnungssuche. Sie bevorzugen naturgemäß eben falls

Eigentumswohnungen in günstiger Lage.

Die Bezirke mit den höchsten Preissteigerungen pro Quadratmeter findet man nicht automatisch nur in Wien. Sie gibt es in Tirol genauso wie in Kärnten. Sehr oft haben diese Regionen allerdings eine Gemeinsamkeit: „Sobald in einer kleineren Region neue Wohnungen errichtet werden, steigen auch die Preise für gebrauchte Wohnungen", sagt Reikersdorfer.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Preise dort steigen, wo zu wenig neuer Wohnraum geschaffen wird. Das sei auch der Fall, sagt Reikersdorfer. Doch Bauträgeraktivitäten verbessern auch die Attraktivität einer Region oder eines Bezirkes, und deshalb steige dort dann auch der Wert gebrauchter Wohnungen, so der Experte. Das gilt vor allem für den 15. Wiener Gemeindebezirk. In Rudolfsheim entstehen viele Wohnungen rund um den Westbahnhof. Und gerade deshalb, weil die verkehrsgünstig gelegene Gegend immer mehr an Attraktivität gewinnt, steigen dort die Immobilienpreise verhältnismäßig stark.

Ein ähnliches Phänomen sei auch in Bezirken fern der Großstadt festzustellen. So nahmen die Preise für Eigentumswohnungen auch in Oberwart, Klagenfurt Land, Waidhofen an der Thaya oder Reutte um mehr als 40 Prozent zu. Auch die Mathematik trage natürlich dazu bei, so Reikersdorfer. Denn neue Wohnungen, die um 50 Prozent teurer sind als gebrauchte, treiben die Durchschnittspreise.

Dokumente

Teilen auf

0