Quo vadis, Handelskanäle

Beitrag vom 20.06.2017 | Autor: Stefan Krejci

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Der Handel wird sich in den nächsten Jahren wandeln. Wohin die Entwicklungen wirklich gehen, ist nicht exakt voraussagbar, aber Multi-Channel-Handelskonzepte sind immer mehr im Kommen. Jetzt ist es spannend, zu beobachten, wer mit welchen Vertriebskanälen und Geschäftsgrößen experimentiert.

Die internationale Sicht

Amazon, der Online-Händler schlechthin, gibt die Eröffnung von 300 bis 400 Buchläden weltweit bekannt. Der Textil-Filialist H&M ist drauf und dran, zu einem der größten Internet-Modehändler der Welt aufzusteigen. Zwei Säulen des stationären Handels, Aldi und DM, planen ihren Markt-Eintritt nach China angeblich zuerst nur online. Und der deutsche Archetypus des Textil-Online-Handels, Zalando, kauft den deutschen Sportschuhspezialisten Kickz mit 15 Läden an deutschen Top-Standorten.

Die Welt in Österreich

In der SCS Vösendorf eröffnet der für seine Elektronik-Mega-Stores bekannte Saturn einen nur 65 m² kleinen Handy-Laden als Saturn-Mobile-Shop. C&A hat gerade seinen Standort in der Meidlinger Hauptstraße um 2,7 Mio. Euro revitalisiert und steckt weiter 10 Mio. Euro in fünf weitere Filial-Relaunches. Charles Vögele, ehemals Schweizer, jetzt italienischer Textil-Filialist, will bis Ende 2018 seine 135 Läden auf die Marken „OVS“ oder „Upim“ umstellen und zusätzlich in die Innenstädte expandieren.

Konvergenz: Vieles wird versucht oder wächst zusammen

Online-Händler gehen auch stationär und stationäre Händler verstärken sich online und suchen neue Größen- und Ladenbau-Konzepte oder gar neue Vertriebsschienen. Multi-Channel-Handels-Konzepte wachsen derzeit schneller als reine Online-Shops, auch wenn manche straucheln wie die Home-Deko-Marke „Butlers“.

Der „echte“ Laden ist nicht tot

Abschreiben sollte der Handel den Laden aber nicht, weil er aus Kundensicht die Möglichkeit bietet, das Produkt sofort zu sehen, riechen, fühlen und probieren – also ein echtes Einkaufserlebnis.

Die stationären Händler haben laut dem Kölner EHI Retail Institut die Ladenbau-Investitionen in D-A-CH im Non-Food Bereich seit 2007 leicht zurückgefahren. Andererseits haben sie die Ausgaben für Beleuchtung im Non-Food Bereich seit 2013 fast verdoppelt, um über „Visual Merchandising“ dieses Einkaufserlebnis zu intensiveren.

Keine Wende für die Innenstädte

Dennoch, wer heute wegen der stationären Expansion der Online-Händler auf eine Wende zugunsten der gebeutelten Innenstädte wartet, wartet vergeblich. Neue Geschäfte werden meist nur mehr in Top-Lagen eröffnet. Die derzeitigen Tests und Concept-Stores dienen nur dazu, bald genauer zu wissen, ob sie ein Gebiet lieber mit Shops oder nur online bedienen wollen. Es liegt daher an den Verantwortlichen der Städte. Sie müssen in Zukunft mehr denn je triftige Gründe bieten, dass Handel auch in den Stadtzentren stattfinden wird, weil Menschen dies als praktisch, angenehm, interessant, kurzum sympathisch finden.

 

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