PROGNOSE WIEN Immobilienmarkt 2021

Beitrag vom 01.03.2021
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In der Bundeshauptstadt erwarten die Wiener RE/MAX-Experten für 2021 generell einerseits eine moderate Entwicklung der Nachfrage: das Nachfrage-Plus für 2020 von +2,9 % geht auf +1,9 % für 2021. Andererseits legt das Angebot stärker (+1,7 %) zu als zuletzt (+1,5 %) und damit reduziert sich die Preiserwartung von +4,1 % für 2020 auf +1,5 % für 2021.

 

In zentralen-Lagen sollen die Preise für Eigentumswohnungen zwar steigen, aber nur mehr um +2,0 % und nicht um +5,2 % wie 2020. Auch die neu verhandelten Mietpreise mit freier Mietzinsbildung reduzieren die Prognose beinahe im selben Ausmaß, allerdings von einem geringeren Niveau aus. Am Ende sollen sie sich die Mietpreis-Abschlüsse 2021 gegenüber jenen von 2020 nicht unterscheiden (+0,0 %)

 

Am Stadtrand ein ähnliches Bild: Die Preise für Eigentumswohnungen legen um +1,6 % zu und jene der Mietwohnungen geben um -0,2 % nach. In beiden Fällen soll die Preisveränderung um einen Prozentpunkt unter dem der 2020-er Prognose liegen.

 

Der Wert-Zuwachs bei Einfamilienhäusern soll nach den Wiener RE/MAX-Experten bei +3,6 % (zuvor +4,0 %) liegen, jener von Zinshäusern bei +2,4 %, beide Male pessimistischer als ein Jahr zuvor.

 

Wie überall sind Baugrundstücke auch in Wien der absolute Renner, sofern vorhanden. Die Nachfragesteigerung bleibt wie für 2020 mit +6,2 % in schwindelerregenden Höhen. Die Angebotsdynamik ist wie bei den Zinshäusern mit -1,2 % spürbar negativ. Wohl aufgrund des hohen Preisniveaus und der Gesamtwirtschaftssituation soll das zu einer Preissteigung von +4,9 % führen.

Maisonettes, Lofts und Penthouses spüren die Wirtschaftslage und/oder den Trend ins Grüne: Nach +1,9 % für 2020 lautet die neue Preisprognose nur -0,1 %. Auch im Luxussegment verhaltene Aussichten: +0,1 %.

KOMMENTAR Wien, Innere Bezirke

„In den inneren Wiener Bezirken ist die Nachfrage nach Eigentumswohnungen hoch, aber ein wenig zurückhaltender im Vergleich zum vergangenen Jahr“, erklärt Ing. Mag. Christian Probszt, Geschäftsführer von RE/MAX Solutions in Wien. „Dies gilt für die Eigennutzer, bei Anlegern ist die Nachfrage weiterhin sehr stark.“ Die Preise bei Eigentumswohnungen in den inneren Wiener Bezirken sind um rund +4 bis +5 % gestiegen. Bei den Zinshäusern – Probszt richtet u.a. auch die Fachveranstaltung „Wiener Zinshausforum“ aus – sind die Preise aufgrund des großen Interesses von Immobilienentwicklern weiter spürbar gestiegen.

 

„Im Vergleich zu 2019 ist bei Eigentumswohnungen der Quadratmeterpreis zum Teil um mehr als +10 % gestiegen“, sagt Mag. Bernhard Jakob, akad. IM, Geschäftsführer von RE/MAX Trend. Die Bautätigkeit im 3. Wiener Gemeindebezirk ist sehr hoch, umfasst aber häufig hochwertige Immobilien mit „einem dementsprechend hohen Quadratmeterpreis von bis zu 10.000 Euro. Dies bewirkt, dass die Durchschnittspreise im gesamten dritten Bezirk steigen.“ Eine hohe Nachfrage besteht derzeit an Immobilien mit Balkon und Loggia sowie Gartenwohnungen. „Hier ist anzumerken, dass auch Objekte in nicht perfektem Zustand gesucht sind.“ Für 2021 rechnet der Immobilienexperte aufgrund der Covid-19-Krise mit einem höheren Angebot bei Eigentumswohnungen. Jakob merkt an, „dass es auch vereinzelt besonders interessante Objekte im Fasanviertel oder rund um den Wildganshof gibt.“ Bei Wohnungen mit monatlichen Mietkosten zwischen 800 und 1.500 Euro ist das Angebot sehr groß, „daher ist zu erwarten, dass in diesem Segment die Mietpreise eher fallen“.

 

KOMMENTAR Wien, Außenbezirke

„Auch in diesem Jahr war die Nachfrage nach Wohnimmobilien in den Wiener Bezirken mit hoher Kaufkraft - wie bspw. Hietzing - stark“, erklärt Johanna Prosenik, Geschäftsführerin von RE/MAX First in Wien Hietzing. „Das Angebot 2020 ist aber im Vergleich zu 2019 etwas kleiner. Im 13. Wiener Gemeindebezirk wurden heuer um rund 5 % weniger Immobilien angeboten als im Vorjahr. Bevorzugt werden aufgrund von Covid-19 derzeit Wohnimmobilien mit Freiflächen.“ Bei gebrauchten Eigentumswohnungen beträgt der durchschnittliche Preis rund 4.900 Euro pro m², was einen Preisanstieg von rund +5 % bedeutet. Bei neuen Eigentumswohnungen beträgt der Preis 6.000 Euro pro m², dies ergibt ein Plus von 9 %. Derzeit werden in Hietzing rund 440 Wohnungen angeboten. Die teuerste war eine Dachgeschosswohnung mit einem Quadratmeterpreis von 8.400 Euro. „Der Trend zum Kauf von Vorsorgewohnungen hält in den meisten Wiener Bezirken weiterhin an“, erläutert die Immobilienexpertin. Das Angebot an Mietwohnungen in Hietzing ist sehr gut, Einfamilienhäuser werden im Normalfall nicht unter einer Million Euro verkauft. Baugrundstücke sind nach wie vor rar und der Quadratmeterpreis beträgt im Durchschnitt rund 1.000 Euro. Das teuerste Baugrundstück kostete beinahe 2.800 Euro pro m².

 

„Die nächsten Jahre werden für die Immobilienbranche in Wien sehr spannend. Bereits jetzt herrscht durch das zusätzliche Angebot von ursprünglich für Kurzzeitvermietungen angeschaffte Immobilien am regulären Markt ein Überangebot an hochpreisigen Mietwohnungen. So manche fremdfinanzierte Wohnung kann aufgrund der Covid-19 Auswirkungen nicht mehr durch Mieteinnahmen finanziert werden, und wird wieder abgestoßen“, erklärt Wilhelm Fetscher, Geschäftsführer von RE/MAX DCI, der mit seinen Partnern Immobilienbüros in den Wiener Bezirken 4, 10 und 22 und drei Büros im angrenzenden Niederösterreich führt. „Deshalb und aufgrund des aktuell noch sehr hohen Neubauvolumen werden voraussichtlich deutlich mehr Objekte auf den Markt kommen.“ Die Auswirkungen der bereits jetzt spürbaren restriktiveren Kreditvergabe der Banken für Bauträger erwartet Fetscher beim Neubauvolumen ab 2022.

 

Weitere Infos:

Immobilienmarkt 2021: Mehr Auswahl, geringere Preissteigerungen (remax.at)

 

Foto: Wien_©AdobeStock

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